Ein
frohes und gesegnetes Jahr wünsche ich Ihnen. Als ich der Chefredakteurin einen
neuen Beitrag ankündigte, bemerkte sie an, das sie dachte, ich hätte das Schreiben
vergessen. Nein. Das kann ich noch. Nur war im letzten Jahr Essensmäßig nicht
viel los in Hermannstadt. Die rumänischen Restaurants kamen und kaum das man
sie bemerkt hatte, waren sie auch schon geschlossen. Das Beste, was bis kurz
vorm Schluss des letzten Jahres in Sibiu geschah, war die Eröffnung des „Hot
Factory“. Curry Wurst und Pommes rot/weiss, fast wie zu Hause. Da war noch die
Entdeckung des „Fusion“, davon im laufe der nächsten Wochen mehr und ach ja,
kurz hatte auch noch das „Egreta“ geöffnet. Das ist aber mittlerweile nur noch
nach Vorbestellung auf. Aber die „Krise“ hat auch Ihr gutes: Viele
Möchte-gern-Restaurants mussten und müssen schliessen. Hierbei schliesse ich
ehemalige Lieblingsrestaurants von mir durchaus ein. Wer meint schlechtes Essen
für gutes Geld verkaufen zu können, dem soll es in der freien Marktwirtschaft
nicht anders ergehen.
So
flogen wir dann in den Weihnachtsurlaub, mit einer langen „To-Do-Liste“. Mindestens
ein Objektiv für die Kamera kaufen=erledigt. Neue Hemden kaufen = erledigt. …
Griechisch essen gehen = unerledigt. Tja. Wir haben versucht alle „Griechen“
anzufahren, die uns bekannt waren. Betriebsurlaub oder geschlossen. ALLE.
Zuletzt landeten wir dann in ein „Balkan-Restaurant“. Mititei heißen Chevapcici
usw. Na danke. Und das Bier war sauer. Wir also frustriert zurück nach Hause.
Ich
zurück nach RO. Nix griechisch essen gehen. Vielleicht beim nächsten mal. In
einer anderen Stadt. In einem anderem Land. In einem anderen … Lassen wir das. Meine
Frau kam eine Woche später. Ideal um am Freitag noch ein Skatrunde einzulegen.
Die Frau kam erst am Samstagnachmittag eingeflogen. Die von meiner Frau, zum
wegmachen der Spuren, der einen Woche die ich allein zu Hause war, engagierte
Servicekraft, kam erst am Samstag um 11.00 Uhr. Das langt zum ausschlafen. So
nach dem … Bier sagte Jörg:“ Ey, weißt Du schon, da hat ein „Grieche“ neu
aufgemacht.“. Na danke dachte ich. Noch so nen Bukarester der mir
geschnetzeltes Schweinfleisch als Gyros andrehen will und sich dann wundert,
wenn ich durchdrehe. Gedacht und … gesagt. „Ne, ne“ meint Skatbruder Jörg, „Der
ist richtig Grieche und richtig gut. Wie in Deutschland!“. Jetzt war ich
elektrisiert. Richtig gut, wurde danach auch mein Skatspiel. Das baut doch auf.
Ein guter Grieche in Hermannsdorf. Das ist doch mal ne gute Nachricht im neuen
Jahr. Am nächsten Tag wurde die Frau vom Flughafen abgeholt und ganz beiläufig
gefragt (nach einiger Zeit, erst Suchantrag ausfüllen für das Gepäck, da in
Deutschland wegen etwas Schnee das Chaos ausgebrochen war und nach der
Begrüssung):“Hast Du nicht Hunger? Da hat ein neuer Grieche aufgemacht!“. Wir
also dahin.
Die
Anfahrt ist gar nicht so schwierig, anders als Jörg meinte. Also: Wenn man vom
Bahnhof Richtung Zibin fährt, nach dem Kreisel, kommt nach ca. 120 Metern eine Linkskurve
und dann nach ca. 50 Meter sieht man ein weisses Schild mit schwarzer
Aufschrift „Akropolis“, hinter dem Schild ist dann ein grosser Parkplatz und
vor dem Schild ist ein Keller, in dem das Restaurant ist. Alles klar? Wenn
nein, hier die GPS-Koordinaten: Breite: 45°48'12.90"N Länge: 24°
9'16.87"E
Als
wir zum ersten mal dort reinkamen, begrüsste uns die Cheffin beim bringen der
Karte mit den Worten:“Sprechen Sie deutsch?“. Eine Seltenheit in der ehemaligen
Kultur- und Hauptstadt, das man die Bedienung nicht zwingen muss in Deutsch zu
antworten, sondern man sich sogar freut mich in meiner Mutter- wie auch meiner
Vatersprache antworten zu können. In einigen Restaurants und Geschäften,
versteht die Bedienung erst nach einem Wutanfall rumänisch. Und ich dachte bei
mir:“Wenn das Essen so gut ist, wie die Bedienung und die auch noch einen guten
Ouzo haben und ich hier auch noch rauchen kann… Dann sind wir öfters hier.“.
Und wir waren jetzt schon öfters da.
Ouzo
so wie er sein sollte, Zimmertemperatur, das Zaziki ein Gedicht. Und Gyros.
Mmmmmmmmmmh. Wie es sein sollte. Die Ausstattung ist rustikal und gemütlich.
Wir haben dort schon einige Zeit verbracht, auch nach dem Essen. Das
Betreiberehepaar sind ein Grieche und eine Rumänin, aus der nähe von Medias.
Sie hatten vorher ein Restaurant in Limburg. Tja und ein griechisches
Restaurant in Griechenland aufzumachen, ist wohl nicht so die Geschäftsidee.
Und so kam es, dass wir Sibiuler endlich in den Genuss kommen, vernünftig
griechisch essen zu können. Probieren Sie mal die Bifteki gefüllt mit
Schafskäse. Am besten man bestellt gleich die Rodosplatte. Oder Gyros
überbacken. Und als Vorspeise vielleicht eine Vorspeisenplatte. Steht zwar
nicht auf der Karte, schmeckt aber nach den Kommentaren meiner Mitesser
hervorragend. Ich darf das ja leider nicht essen, da ich gegen alles aus
Auberginen allergisch bin und da sehr viel aus Auberginen drauf ist. Ich esse
dafür z.Z. „Thunfischsalat ohne Thunfisch“. Wird mir auch problemlos gemacht.
Oder die gebackenen Garnelen….
Ich
kann nur schreiben: Auf zum Griechen, nicht das der zu machen muss, weil er keine
Kunden hat. Lasst lieber noch ein, zwei … hundertfünfzig Pizzerien pleite
gehen, da es eh nur eine gute gibt. Aber lasst uns den Griechen erhalten. Er ist
zwar nicht ganz billig, zumindest wenn mann mehrere Ouzos konsumiert*g, aber er
ist jeden Bani wert. Im übrigen unserer nächste Skatrunde ist dort terminiert.
Was noch fehlt: Die Möglichkeit mit Karte zu bezahlen. Das kommt aber mit
Sicherheit noch und ein gutes Weizenbier. Aber da gibt es ja in Nagyszeben eh einen Mangel.
Nur das Massenbier „Paulaner“. Aber vielleicht kommt da ja auch noch ne Lösung.
Z.Z. helfen wir uns da mit dem Hauswein. Trocken. Weiss. Und gut. Ich kann nur
hoffen, das Griechen sturer sind als andere Europäer die wir hier schon als
Gastronomen erleben durften und miterleben mussten, wie sie dann schliessen
mussten. Auf jedenfall will der Chef und Koch keine rumänischen Attribute auf
seiner Karte einbauen. Und das hoffe ich doch, dass er das auch einhält.
Ach
so ja noch eines: Ich habe jetzt alle Namen für unser schönes
Hermannstadt/Sibiu/Nagyszeben
benutzt, die ich wusste. Sollte Ihnen noch einer einfallen, schreiben Sie mir.
Ich will doch jeden zufrieden stellen.
Michael
Kothen
hhtp://www.essen.in-hermannstadt.info